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Was unsere Welt am Leben hältDer Golfstrom führt rund 500 mal mehr Wasser als der größte Fluss der Welt und sinkt östlich von Grönland auf den Grund des Atlantiks. Forscher haben jetzt nachgewiesen, dass dieser "Wasserfall unter dem Meer" die Antriebspum- pe eines erdumfassenden Kreislaufs ist, der das Meerwasser durch alle Ozeane wie auf einem gigantischen Förder- band laufen lässt. Dabei wandert es in 2.000 Metern tiefe durch den gesamten Atlantik, den Indischen Ozean und den Pazifik, um dort wieder aufzusteigen und oberflächlich zurückzuwandern. Ein Tropfen ist auf dieser Rundreise um die Welt tausend Jahre unterwegs! Dieses Naturwunder ist die Klimaanlage unseres Planeten. Es gleicht die Wetterex- treme aus, gewährleistet, dass überall auf der Erde Leben gedeiht und sorgt auch dafür, dass Hamburg auf einer geographischen Breite liegt, auf der in Kanada Eisbären leben. Das größte Gebirge der Erde ist nicht der Himalaya, sondern der mittelozeanische Rücken - eine 70.000 Kilometer lange unterseeische Gebirgskette, die sich durch die Ozeane zieht. Es ist das Zentrum des "Stoffwechsels" unseres Planeten. Durch unzählige Vulkane entsteht ständig neuer mineralhaltiger Boden. Ohne diese Vulkane würde die Erde unfruchtbar werden. Außerdem versorgen uns die Feuerberge mit gereinigtem Wasser, denn sie entlassen riesige Mengen Wasserdampf auf der Erdkruste! Bakterien sind Mikroskopisch kleine Alleskönner, ohne die unser Planet an Giften ersticken würde. Sie wiegen mehr als alle Tiere des Planeten zusammen und sind sogar in der Lage, chemische Schadstoffe zu knacken wie Paraffine, Asphalt und das Umweltgift PCP. Manche Bakterien zersetzen sogar Plastiktüten. Und Myco- und Corynebakterien sind die Ölfresser, die das Meer nach Tankerunglücken in verblüffend kurzer Zeit reinigen. Ein einziger Liter Meerwasser enthält mehr Kleinstlebewesen als Deutschland Einwohner hat. Die pflanzlichen Einzel- ler des Planktons hauchen der Erde den Atem ein. Die "Winzlinge der Meere" produzieren zusammen mehr Sauer- stoff als alle Bäume zusammen, während sie das Treibhausgas Kohlendioxid fressen. Ohne Plankton und Meeres- bakterien wäre Leben, so wie wir es kennen, nicht möglich. Falls es stirbt, werden auch wir verschwinden. Die kleinsten Organismen sind die Helden der Unterwelt. Sie zeigen, wie groß die Kraft des Lebens sein kann. Wis- senschaftler entdeckten bei Bohrungen Bakterien in 5.000 Metern Tiefe. Diese Wunderwesen, eingeschlossen von Millionen Tonnen schwerem Gestein, sind Kilometer von Licht und Sauerstoff entfernt. Organismen wie diese Nano- bakterien, die kleinsten je entdeckten Mikroben, die Forscher im Innern von 250 Millionen Jahre altem Sedimentge- stein fanden und wiederbelebten, stehen am Anfang der Verwitterung, ohne die sich kein Boden bildet. Termiten können totes Holz so schnell in Humus verwandeln, wie kein anderes Insekt der Welt. Sie zerlegen ein Holz- haus in einer Woche, bauen sechs Meter hohe Burgen und unter der Erde Städte, dessen Grundrisse so komplex sind wie die von London, Paris oder Berlin. Auf jeden Mensch kommen ca. 40 Millionen Termiten. Sie versorgen den Boden mit Nahrung und Sauerstoff. Ohne diese wunderbare Fleißarbeit wäre fast ganz Afrika unfruchtbares Land Ausgerechnet das Innere der Erde schützt uns vor Strahlen aus dem All. Durch unterschiedlich schnelle Bewegungen der verschiedenen Erdschichten wirkt "das Herz der Erde" wie ein riesiger Dynamo, der das Erdmagnetfeld erzeugt. Es schützt uns vor dem Sonnenwind. Ohne Magnetfeld würden die Strahlen nicht nur Computer, Satelliten und Flug- zeugelektronik schädigen, sondern auch die Ozonschicht angreifen, die uns vor tödlichem Sonnenbrand schützt. Bis zu 100 Millionen Arten bevölkern die Erde. Diese Vielfalt verdanken wir auch unserem Mond. Er entstand aus ei- nem Unfall vor vier Milliarden Jahren, als der marsgroße Planet Theia mit der Erde kollidierte. Der Trabant bremst durch seine Schwerkraft seither die Erdrotation und verlängerte dadurch unseren Tag von sechs auf 24 Stunden. Er holte die Erde von der schiefen Bahn und stabile Klimazonen bildeten sich. Der Mond hält uns auch heute noch am Leben. Als Schutzschild fängt er Gesteinsbrocken auf Kollisionskurs mit der Erde ab. Allerdings sorgt er auch heute noch dafür, dass sich die Erde um fast eine Sekunde pro Jahr langsamer dreht. (Quelle: Fernsehzeitschrift "TV Hören und Sehen", Ausgabe 11/2004) |